Fragen an Papa: 50 Fragen, auf die er gern antwortet
Was kann ich Papa fragen, damit er mal mehr erzählt als „War halt so“?
„Wie war das früher bei dir, Papa?“ „Gut.“ Viele Gespräche mit Vätern laufen ungefähr so. Nicht, weil er nichts erlebt hat, sondern weil die Frage ihm keinen Anfang gibt. Viele Väter erzählen durchaus gern, aber erst, wenn sie wissen, worüber genau.
Die Fragen an Papa unten sind deshalb konkret: ein Ort, ein Gegenstand, ein bestimmter Tag. Sie sind nach Themen sortiert, und unter jeder Gruppe steht eine Nachfrage, mit der aus „Ja, war so“ eine Geschichte wird. Vorher geht es um das, was die meisten am meisten beschäftigt: was du tun kannst, wenn er auf alles in einem Satz antwortet.
Wenn Papa nur in einem Satz antwortet
Eine kurze Antwort heißt selten, dass er nicht reden will. Oft heißt sie, dass die Frage zu groß oder zu persönlich war, um sie aus dem Stand zu beantworten. Ein paar Dinge ändern das fast immer.
Frag nach Dingen statt nach Gefühlen. „Was hast du damals gefühlt?“ führt bei vielen Vätern ins Leere. „Was für ein Auto hattest du, und wo bist du damit hingefahren?“ führt zu einer Reise, einer Panne, einer Person, und das Gefühl kommt dann von allein mit.
Frag nach Wissen. Erklären fällt leichter als Erzählen. „Wie hat man das damals gemacht, ohne Handy einen Termin auszumachen?“ oder „Wie lief das in deiner Lehre, was musstest du als Erstes können?“ Wer erklärt, erzählt nebenbei sehr viel.
Setz dich daneben, nicht gegenüber. Im Auto, beim Spaziergang, in der Werkstatt, beim Fußball in der Halbzeit. Viele Männer reden leichter, wenn sie dabei etwas tun und keiner sie ansieht.
Fang mit dem an, was schiefging. „Was war die größte Panne an deiner ersten Arbeitsstelle?“ ist leichter als „Worauf bist du stolz?“. Lustige Geschichten öffnen die Tür für die ernsten.
Bring etwas mit. Ein altes Foto, ein Zeugnis, ein Werkzeug aus dem Keller. „Wer ist das neben dir?“ ist eine Frage, die man nicht mit „Gut“ beantworten kann.
Halte die Pause aus. Nach „Hm“ kommt oft noch etwas, wenn du nicht sofort die nächste Frage stellst. Zähl innerlich bis fünf.
Und akzeptiere ein Nein. Manche Themen will er nicht anfassen. Dann ist das so. Wer merkt, dass ein Nein respektiert wird, erzählt beim nächsten Mal oft mehr.
Kindheit und Elternhaus
- Wo bist du aufgewachsen, und wie sah es da aus?
- Was hast du nach der Schule gemacht, als du zehn warst?
- Wie war dein Vater zu dir? Und deine Mutter?
- Wofür hast du als Junge am meisten Ärger bekommen?
- Was hast du gebaut, repariert oder kaputt gemacht?
- Wer war dein bester Freund, und was habt ihr angestellt?
- Was gab es bei euch sonntags zu essen?
- Welches Spielzeug hättest du gern gehabt und nie bekommen?
So wird eine Geschichte daraus: „Zeig mir auf der Karte, wo das war.“ Viele Väter erinnern sich über Orte. Eine Straße, ein Bolzplatz, ein Weg zur Schule, und plötzlich kommen die Namen und die Geschichten dazu.
Schule, Jugend und erste Freiheiten
- Wie bist du zur Schule gekommen?
- Welcher Lehrer hat dich geprägt, im Guten oder im Schlechten?
- Was war dein erstes Fahrrad, Moped oder Auto?
- Wo habt ihr euch als Jugendliche getroffen?
- Welche Musik hast du gehört, und wie laut?
- Was war der größte Unsinn, den du als Jugendlicher gemacht hast?
- Wann hast du dich zum ersten Mal erwachsen gefühlt?
So wird eine Geschichte daraus: „Wer war noch dabei?“ Die meisten Jugendgeschichten sind Gruppengeschichten. Frag nach den anderen und danach, was aus ihnen geworden ist.
Arbeit und Beruf
- Was war deine allererste Arbeit, und was hast du verdient?
- Wie bist du zu deinem Beruf gekommen? War das dein Wunsch oder hat es sich so ergeben?
- Wer hat dir am meisten beigebracht?
- Erzähl mir einen ganz normalen Arbeitstag, vom Aufstehen an.
- Was war die schwerste Arbeit, die du je gemacht hast?
- Gab es einen Moment, in dem du kündigen wolltest?
- Worauf bist du in deinem Berufsleben stolz?
- Was kannst du, das heute kaum noch jemand kann?
So wird eine Geschichte daraus: „Wie genau macht man das?“ Lass ihn erklären, mit allen Einzelheiten. Für die meisten Väter ist die Arbeit der Ort, an dem sie sich am sichersten fühlen, und dort fangen viele zum ersten Mal richtig an zu erzählen.
Liebe und Familie
- Wie hast du Mama kennengelernt? Oder: Wer war deine erste große Liebe?
- Was hast du gedacht, als du sie zum ersten Mal gesehen hast?
- Wie lief euer erstes Treffen, und wer hat wen gefragt?
- Was haben deine Eltern zu ihr gesagt?
- Wie war die Hochzeit, und was ist schiefgegangen?
- Wo war eure erste gemeinsame Wohnung?
- Was hast du darüber gelernt, wie man zusammenbleibt?
So wird eine Geschichte daraus: Frag später Mama dasselbe. Zwei Fassungen derselben Geschichte sind oft die schönste Stelle im ganzen Gespräch, und die Unterschiede sagen viel über beide.
Vater werden
- Wie hast du erfahren, dass du Vater wirst?
- Was hast du an dem Tag gemacht, an dem ich geboren wurde?
- Wovor hattest du als junger Vater am meisten Respekt?
- Was hast du von deinem eigenen Vater übernommen, und was ganz bewusst nicht?
- Was war mit uns Kindern am schwierigsten?
- Gibt es etwas, das du heute anders machen würdest?
- Wann warst du als Vater richtig stolz?
So wird eine Geschichte daraus: „Und dein Vater, wie hat der das gemacht?“ Über den eigenen Vater reden viele Männer leichter als über sich selbst. Du erfährst dabei beides.
Hobbys, Dinge und Handwerk
- Welches Hobby hattest du, bevor die Familie kam?
- Für welchen Verein oder welche Mannschaft schlägt dein Herz, und seit wann?
- Welches Werkzeug oder welcher Gegenstand in deinem Haus hat eine Geschichte?
- Was hast du selbst gebaut, worauf du bis heute stolz bist?
- Welche Reise würdest du sofort noch einmal machen?
- Was würdest du mir gern noch beibringen?
So wird eine Geschichte daraus: „Zeig es mir.“ Lass dir das Werkzeug, die Briefmarkensammlung oder das alte Mofa zeigen. Mit den Händen beschäftigt erzählt es sich fast von selbst.
Was er gelernt hat
- Was weißt du heute, das du mit dreißig gern gewusst hättest?
- Wer war für dich ein Vorbild, und warum?
- Was war die beste Entscheidung deines Lebens?
- Worüber hast du dir umsonst Sorgen gemacht?
- Wann warst du am glücklichsten?
- Was sollte man über dich wissen, das kaum jemand weiß?
- Was möchtest du deinen Enkeln mitgeben?
So wird eine Geschichte daraus: „Wann hast du das zum ersten Mal gemerkt?“ Hinter fast jedem Satz wie „Man muss sich auf sich selbst verlassen“ steht eine bestimmte Situation. Die willst du hören.
Fragen an Papa am Telefon, per Brief oder als Buch
Am Telefon hilft eine feste Gewohnheit: eine Frage pro Anruf, am besten am selben Wochentag. Nach ein paar Wochen fragt er vielleicht selbst: „Und, was willst du heute wissen?“
Per Brief oder Nachricht funktioniert es bei Vätern, die lieber schreiben als reden. Schick eine Frage und lass ihm Zeit.
Als Buch geht es auch. Manche Väter, die im Gespräch knapp bleiben, schreiben allein am Küchentisch erstaunlich ausführlich. Ein leeres Notizbuch mit zehn eingetragenen Fragen reicht dafür. Es gibt auch fertige Ausfüllbücher, etwa „Papa, erzähl mal“ von Elma van Vliet. Wir haben unser eigenes Erinnerungsbuch „Erzähl mir dein Leben“ gemacht: 58 Fragen in 8 Kapiteln auf 178 Seiten im Format 21 x 28 cm, mit großer Schrift und viel Platz. Es gibt es bei Amazon.de gebunden für 22,99 € und als Taschenbuch für 16,99 €. Welche Variante passt, hängt davon ab, ob dein Vater gern schreibt. Wenn nicht, ist ein Gespräch mit dem Handy als Aufnahmegerät die bessere Wahl.
Wenn du die Antworten später zu einer zusammenhängenden Geschichte machen willst, findest du in unserem Leitfaden, wie du eine Lebensgeschichte aufschreiben kannst, Schritt für Schritt. Und falls du auch Mama fragen willst: Die Fragen an Mama sind ähnlich aufgebaut, setzen aber andere Schwerpunkte.
Fang mit einem Gegenstand an
Du musst nicht mit der ersten Frage anfangen. Such dir beim nächsten Besuch einen Gegenstand aus, der schon immer da war, eine Uhr, ein Foto, ein Werkzeug, und frag, woher er kommt. Wenn er dann eine halbe Stunde erzählt und du kaum etwas sagen musstest, hast du die richtige Frage gefunden.